" Die Nacht in der das Fürchten wohnt hat auch die Sterne und den Mond." (Masha Kaléko)
Liebe Alle,
kennt Ihr das? In Euerer Vorstellung ist die Vorweihnachtszeit ruhig und besinnlich und voller Wärme und Kerzenschein und Ihr seht Euch, die Füße in flauschigen Wollsocken, vor dem Kamin in einem Sessel sitzen, mit einer dampfenden Tasse Tee in der Hand und draußen fallen leise wattige Schneeflocken auf das Fensterbrett…
und dann gibt es jedes Jahr diesen Realitätscheck: Es ist der Abend des 20.12. und ich wollte schon vor Wochen einen Blogartikel zum Thema Adventsgärtlein vorbereiten und einen zum Nikolaus -Fest selbstverständlich, weil es das 3. in der Reihe der herbstlichen Jahresfeste ist, welche im Waldorfkindergarten gefeiert werden und ich wollte dann gleich mal was zur Interkulturalität in der Waldorfpädagogik sagen, weil Inklusion und Vielfalt mir sehr am Herzen liegen.
Und das noch und das noch und dazwischen bitte Beiträge für Instagram und Seminare und Beratung und die Kinder kommen Weihnachten nach Hause und da ist Freude und Vermissen und auch ein bisschen Druck, weil jetzt wo wir uns seltener sehen, muss es doch besonders schön werden.
Draußen ist es neblig und nass und die letzten Tage war es über 10 Grad. Im Supermarkt ist es voll und das Licht ist grell und ich bin erschöpft. Obwohl ich alle Plätzchenrezepte gebacken habe, die Wohnung geschmückt, Weihnachtslieder gehört und selbst gesungen, Karten geschrieben und Päckchen verpackt habe, kommt eine besinnliche Weihnachtsstimmung nicht so richtig in mir auf.
Für Einige ist Weihnachten die schönste Zeit im Jahr und für Andere ist es eine anstrengende Zeit, die entweder emotional aufgeladen oder von Druck und Überforderung oder Einsamkeit geprägt ist. Weihnachten ist laut und bunt und voller Konsum und gleichzeitig ist es leise und magisch und voller Wünsche, Hoffnungen und Liebe.
Die vorweihnachtlichen Tätigkeiten im Waldorfkindergarten haben nicht nur die Kinder, sondern auch mich immer durch die Ambivalenz dieser Zeit getragen.
Die sinnlichen Aktivitäten, wie Kerzenziehen oder durch die Tannenspirale gehen und mit der eigenen Kerze die Dunkelheit erleuchten, das eigene innere Licht spüren, die Hoffnung dass es wieder hell werden wird, Singen und Sterne backen und Geschichtenzeit, all das hat eine Geborgenheit entstehen lassen und Mut gemacht für das Kommende: „Dem Vergangenem Dank und dem Kommenden: Ja!“(Dag Hammarskjörd).
Ein sich Be- sinnen darauf, dass wir jedes Jahr diese kleine furchtlose Familie feiern, die bei aller Entbehrung und Beschwerlichkeit ihrer Reise am Ende unter einem guten Stern doch Verbundenheit, Liebe und Fürsorge erfährt.
Als Familie kann es sinnvoll sein, gemeinsam zu schauen, was durch diese Zeit trägt und was eher in Stress ausartet? Was macht Freude und wann können wir wirklich frohe Weihnachten empfinden? Wieviel Zeit mit den Verwandten möchten wir verbringen? Haben wir Raum und Zeit einer Person, die alleine ist, eine kleine Freude zu machen? Wo können wir als Eltern auch kleine Inseln der Selbstfürsorge schaffen, z.B. mit einem Rauhnachtsritual oder einer Tasse Tee am Fenster?
Oft höre ich den Satz: „Weihnachten ist das Fest der Kinder.“ Dafür brauchen Kinder aber Erwachsene, die selbst eine weihnachtliche Stimmung erleben und den Kindern mit Ruhe helfen, wenn die Aufregung zu groß wird, also ist Selbstfürsorge kein Egoismus, sondern Pflicht!
In meine Beratungsarbeit für Familien von der Schwangerschaft bis zum „Empty Nest“ fließt auch immer meine eigene Erfahrung mit ein und wie ich am Anfang schon geschrieben habe, ist das unsere erste Weihnachtszeit, nachdem beide Kinder in andere Städte gezogen sind und ich habe die gemeinsamen Aktivitäten vermisst und gleichzeitig die Zeit genutzt, um rauszufinden, was meine eigenen Lieblingstraditionen sind. An einem Tag wie heute, wo mir alles ein bisschen über den Kopf gewachsen ist ,mache ich mir mein Lieblingshörbuch „Bald ist Weihnachten“ von Astrid Lindgren gelesen von Manfred Steffen an und mache mir dann doch eine Tasse Tee, ziehe die Wollsocken an und schaue in den Nebel raus und der Insta - Post kann warten und über Nikolaus schreibe ich vielleicht nächstes Jahr…
Ich wünsche Euch eine frohe Weihnachtszeit und einen zuversichtlichen Start in das Neue Jahr 2026!
Herzlichst
Eure Kathrin
