Liebe Alle,
in vielen Waldorfkindergärten und - Schulen wurde diese Woche das Michaeli - Fest gefeiert.
Michaeli am 29.09. bildet den Auftakt der drei herbstlichen Feste, welches jeweils ein Sinnbild menschlicher Güte darstellt: Michaeli - Mut; St. Martin - Mitgefühl; St. Nikolaus - Großzügigkeit und Gewissen ….
Neben einem festlichen Essen, Geschichten, Reigen und Handgestenspielen, wird oft ein kleiner Mutgang mit Hindernissen und kleinen Aufgaben im Garten aufgebaut oder in den Schulen ein Sprung über ein flaches Feuer gewagt. Da es hierbei um eine Selbstwirksamkeitserfahrung geht, sorgt eine Vielfalt an kleinen „Mutproben“ dafür, dass jedes Kind eine dieser Aufgaben bewältigen kann. Es geht nicht darum keine Angst zu haben, sondern darum mit der Angst loszugehen und manchmal braucht man dafür eine helfenden Hand, oder eine vertraute Person, die einen an die eigene Stärke erinnert.
Gleichzeitig ist Michaeli, mit dem Bild des Erzengel Michael, welcher eine Waage (Gutes und Böses in die Waagschalen legen) und ein Schwert (das Böse niederringen) in seinen Händen hält, Sinnbild für das Ringen des Lichts mit der Dunkelheit im Außen und in uns.
In meiner Erfahrung brauchen Kinder in ihrem Erleben uns Erwachsene, die gelernt haben, „Licht ins Dunkel zu bringen“ also mit ihren Mustern, Triggern und blinden Flecken bewusst umzugehen, diese zu erkennen und zu reflektieren. Als Elternteil oder Fachkraft muss ich mich regulieren können, mein Nervensystem entspannen können, um für ein Kind da zu sein, dass in Aufruhr ist und das liebevolle Co - Regulation, also Begleitung bei der Verarbeitung seiner Gefühle braucht. Dafür brauche ich selbst Übung, Selbstfürsorge und manchmal eine helfende Hand.
Wenn ein Kind erfahren darf, dass es mit all seinen Gefühlen geliebt wird, dann schreiben wir in meiner Vision die Michaeli - Geschichte, die vielen Kindern erzählt wird, um. Dann braucht Ritter*in Georgi kein Schwert mehr, um gegen den Drachen zu kämpfen, sondern der Engel Michael ist als liebevoller Beistand im Hintergrund und Georgi spricht mit dem Drachen vielleicht so: „Oh okay, wow, ich sehe Deine starken Gefühle und ich hab ganz schön Angst, aber ich hab auch eine Idee, wie wir Deinen feurigen Atem kühlen können und vielleicht magst Du dann mit Deiner unglaublichen Kraft gemeinsam mit mir erforschen, was Dein Bedürfnis ist und wie Du es ausdrücken kannst, so dass ich es verstehe. Dann können wir gemeinsam rausfinden, wie Dein Bedürfnis erfüllt werden kann.“ Vielleicht würde dann daraus eine neue Freundschaft und ein gemeinsames Abenteuer….
Ich schreibe das mit einem halben Augenzwinkern, in dem Wissen, dass gruselige und ein bisschen blutrünstige Abenteuergeschichten von vielen Kindern begeistert gelesen und gehört werden. Wäre es nicht wunderbar, wenn beide Geschichten an so einem Tag gehört werden?
Als Erwachsene können wir uns fragen, wofür brauche ich grad Mut (das anstehende Konfliktgespräch mit der Kollegin, das erste Elterngespräch in der Schule, der bevorstehende Umzug in eine neue Stadt…), was sind meine Ressourcen, welche Menschen geben mir Kraft und können mir beistehen?
Und mit Blick auf das nahende Erntedankfest könnte eine nährende innere Bewegung sein, innezuhalten und auf unsere innere Ernte in diesem Jahr zu blicken, vielleicht ist es eine gute Zeit, um ein Dankbarkeitstagebuch zu beginnen, was nachweislich einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit hat und mit den Kindern gemeinsam ein eigenes Familienfest zu kreieren mit dem, was für Euch passt...
Vielleicht einen Drachen basteln und steigen lassen, eine Erntesuppe kochen, um ein Kartoffelfeuer sitzen, einen leckeren Apfel - oder Zwetschenkuchen (gebacken oder gekauft) verputzen, ein Erntekörbchen in der Nachbarschaft verschenken, oder Eines geschenkt bekommen oder einfach nur eine Kerze anzünden und gemütlich auf dem Sofa kuscheln und ein herbstliches Buch anschauen.
In diesem Sinne wünsche ich Euch kuschlige Herbsttage!
Herzlichst
Eure Kathrin
